EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Bühne

Die Bühne eines Kabuki-Theaters ist mit verschiedenen Vorrichtungen ausgestattet, die für die Aufführungen genutzt werden. Sie sind für Kabuki konzipiert und wurden genau wie die Kunst selbst über die Jahre ständig weiter verfeinert.

Bühnenvorrichtungen

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Bühne Mechanisms
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Die im Kabuki eingesetzten Vorrichtungen werden entsprechend den Gepflogenheiten in Bezug auf Positionierung und Richtungen auf der Bühne eingesetzt. Beispielsweise wird die vom Publikum gesehen rechte Seite der Bühne als kamite und die linke Seite als shimote bezeichnet. Den höheren Ständen angehörige Figuren sitzen auf der kamite-Seite und solche mit niedrigem Stand treten von der shimote-Seite her ein. Die Szenenrequisiten sind so geordnet, dass innen spielende Szenen auf der kamite- und draußen spielende Szenen auf der shimote-Seite gegeben werden. Auch die geografische Ausrichtung in den aufgeführten Stücken ist weitgehend vorgegeben: Als allgemeine Regel gilt, dass kamite Osten und shimote Westen bezeichnet und das Publikum im Süden sitzt.

Mawaributai (Drehbühne)

Die mawaributai – eine drehbare Fläche in Bühnenmitte – wurde in der zweiten Hälfte der Edo-Zeit konzipiert. Die Bühne dreht sich mitsamt Darstellern und Bühnenbild, was schnelle Szenenwechsel ermöglicht. Das Stattfinden dieser Verwandlung vor den Augen des Publikums verstärkt die visuelle Wirkung von Inszenierungseffekten. Dieser Bühnenmechanismus wurde ab der Meiji-Zeit auch in Theatern außerhalb Japans eingeführt.

Seri (Hebebühne)

Die seri ist ein Mechanismus zum Anheben und Absenken eines Teils der Kabuki-Theaterbühne. Es kommen Hebebühnen verschiedener Größe zum Einsatz, die zum Transportieren von sowohl Darstellern als auch Dekorationsteilen genutzt werden. Dies ermöglicht wirkungsvolle Aufführungseffekte, die den Anforderungen unterschiedlicher Inszenierungen genügen.

“Kimmon Gosan no Kiri” ‘Nanzenji Sammon’ scene
National Theatre (Y_E0100268500200)

“Kimmon Gosan no Kiri” ‘Nanzenji Sammon’ scene
National Theatre (Y_E0100268500212)

Während zunächst nur der obere Teil eines Tempeltors sichtbar ist, wird durch Anheben mit der seri das ganze Haupttor sichtbar.

“Kimmon Gosan no Kiri” ‘Nanzenji Sammon’ scene
National Theatre (Y_E0100268500200)

“Kimmon Gosan no Kiri” ‘Nanzenji Sammon’ scene
National Theatre (Y_E0100268500212)

Während zunächst nur der obere Teil eines Tempeltors sichtbar ist, wird durch Anheben mit der seri das ganze Haupttor sichtbar.

Naraku(Unterbühne)

Naraku bezeichnet die Räume unter der Hauptbühne, der hanamichi-Bühne und anderen Bereichen. Hier ist mit seri, mawaributai und anderen Vorrichtungen die Untermaschinerie des Theaters installiert. Als solche Einrichtungen noch mit menschlicher Kraft bewegt werden mussten, waren diese Kellerzonen sehr dunkel und feucht, wodurch sich auch die Bezeichnung als naraku eingebürgert hat, was im Buddhismus so viel wie „Hölle“ bedeutet.

Kuromisu(Musikerraum)

Kuromisu ist ein kleiner Raum auf der shimote-Seite, der für Darbietungen von nagauta (Gesang zu Shamisen-Begleitung), taiko (mit Schlägeln geschlagene Rohrtrommel) und tsuzumi (Schultertrommel) genutzt wird. An den Fenstern sind schwarze Jalousien angebracht. Der Raum wird auch geza genannt und die hier aufgeführte Musik ebenfalls häufig als kuromisu.

Kuromisu aus dem Publikum gesehen

Im Raum arrangierte Musikinstrumente

Kuromisu aus dem Publikum gesehen

Im Raum arrangierte Musikinstrumente

Yuka(Erzähleretage)

Yuka bezeichnet einen Bereich auf der kamite-Seite der zweiten Bühnenetage, in der die takemoto-Erzählung dargeboten wird. Vor diesem Bereich hängt eine Jalousie. Die Erzählung bei hochgerollter Jalousie heißt degatari und der Vortrag bei herabgelassener Jalousie misu-uchi.

Yuka mit hochgezogener Jalousie

Yuka mit hochgezogener Jalousie

Joshiki-Maku(regulärer Bühnenvorhang)

Jede Szene beginnt und endet mit dem joshiki-maku. Wenn die markanten Schläge der hyoshigi (Klanghölzer) schneller werden, ziehen die Kulissenschieber den Vorhang von links nach rechts. Das Öffnen und Schließen des Vorhangs ist ein Mittel der Inszenierung. joshiki bedeutet „regulär benutzt“ und in der Edo-Zeit brachten diese Vorhänge auch Rang und Prestige des Theaters zum Ausdruck. Die joshiki-maku-Vorhänge werden durch Zusammennähen von schwarzen, dunkelgrünen und gelblichbraunen Stoffbahnen angefertigt, wobei jedes Theater eigene Muster und Farbkompositionen verwendet.

Hanamichi(Blumenweg)

Der Hanamichi ist ein Laufsteg, der sich von der shimote-Seite der Bühne durch die Sitzbereiche des Publikums zum hinteren Teil des Theaters erstreckt. Je nachdem, welche Szene gespielt wird, dient dieser Steg auch als zweite Bühne und kann als Straße, Korridor, See, Flussufer oder andere Kulisse dienen. Die Schauspieler erscheinen aus einem kleinen Raum hinter dem Publikum und bewegen sich auf dem hanamichi direkt durch das Publikum in Richtung Bühne. Dies ist ein wirksames Mittel zur Einbeziehung der Besucher und bestärkt ihre Wertschätzung für die Darbietungen. Bei bestimmten Stücken wird ein zweiter, parallel zum ersten verlaufender Laufsteg (kari-hanamichi) von der kamite-Seite errichtet, wobei die Schauspieler beide hanamichi benutzen und dabei anhalten und über das Publikum hinweg ihre Dialoge führen.

January 1996
National Theatre, Large Theatre
“Narukami Fudo Kitayamazakura” ‘Kitayama Iwaya’ scene [Narukami]
Narukami Shonin: Ichikawa Danjuro XII

Suppon(kleine Hebebühne)

Der suppon ist eine Vorrichtung zum Heben und Senken eines Teils des hanamichi direkt an der Bühne. Diese kleine Hebebühne wird vielfach für Auftritte von Gespenstern, Kobolden, Geistern, Zauberern und anderen übermenschlichen Figuren genutzt und lässt wirkungsvoll den Eindruck entstehen, dass diese wie aus dem Nichts erscheinen. Wie es heißt, geht die Bezeichnung suppon (chinesische Weichschildkröte) für diesen seri darauf zurück, dass das plötzliche Erscheinen der Darsteller an das Vorschnellen des Kopfes der Weichschildkröte aus ihrem Panzer erinnert.

Der Auftritt von Nikki Danjo, eine Figur, die mit Hexerei Übeltaten begeht

November 1998
National Theatre, Large Theatre
“Meiboku Sendai Hagi” ‘Ashikagake Yukashita’ scene
Nikki Danjo: Matsumoto Koshiro IX (Matsumoto Hakuo II)

Agemaku(Eingangsvorhang)

Der agemaku ist ein Vorhang an der Stelle, an der der von der Bühne kommende hanamichi am kleinen Raum hinter dem Publikum endet. Dieser Vorhang, der das Wappen des Theaters trägt, ist an Metallringen befestigt. Dadurch ist ein metallisches Klirren zu hören, wenn der agemaku beim Eintreten und Abtreten eines Schauspielers bewegt wird.