EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Sakurahime Azuma Bunsho(Die Edo-Geschichte von der Prinzessin Sakura)

Sewa-mono

Zusammenfassung

Dieses Stück wurde vom Bühnenautor Tsuruya Namboku IV. verfasst. Nachdem es Jahrzehnte nicht mehr zur Aufführung gekommen war, erlebte es vor dem 2. Weltkrieg eine Wiedergeburt und wurde auch danach wieder häufig aufgeführt. Es ist durchsetzt von bizarren Momenten, auf die sich Namboku besonders gut verstand, die von Verhängnis künden und Geister erscheinen lassen. Das Stück bietet dem Publikum zahlreiche Höhepunkte.

Die Geschichte beginnt damit, dass der Mönch Seigen versucht, sich zusammen mit seinem jungen Pagen Shiragikumaru das Leben zu nehmen und mit ihm vor der Insel Enoshima ins Wasser geht.

Allerdings kommt Seigen nicht um. Siebzehn Jahre später, er ist zum hochrangigen Mönch aufgestiegen, erkennt er in einer Prinzessin namens Sakurahime, Tochter des Yoshida-Klans, die Reinkarnation seines geliebten Shiragikumaru. Die Prinzessin hat ein Kind von Tsurigane Gonsuke geboren, einem Dieb, der bei ihr eingebrochen war. Sie kam zu Seigens Tempel, um zur Buße dafür, dass sie Gonsuke nicht vergessen kann, Nonne zu werden, begegnet diesem dann aber zufällig in ihrer Klause erneut.

Es folgen überraschende Wendungen. Seigen ist gefesselt vom Bild Shiragikumarus, das er in der Prinzessin sieht, während Sakurahime versucht, ihr Leben zu ordnen, nachdem sie wegen ihrer bekannt gewordenen fortgesetzten Beziehung zu Gonsuke von ihrer Familie verstoßen wurde.

Highlight 1

November 1993
National Theatre, Large Theatre
“Sakurahime Azuma Bunsho” ‘Sakuradani Soan’ scene
Sakurahime: Nakamura Jakuemon IV
Gonsuke: Matsumoto Koshiro IX (Matsumoto Hakuo II)

Kabuki-Liebesszenen (nureba) werden normalerweise in stilisierten Bewegungen zur Musik ausgedrückt. Die Liebesszenen zwischen der Prinzessin und Gonsuke, die in der Szene „Sakuradani Soan“ (Sakuradani-Klause) spielen, zeichnen sich durch gewagte, aber auch formalisierte tanzartige Bewegungen aus. Eröffnet wird mit einem sentimentalen Gesangssolo mit der Zeile „Auch eine von schönen Blumen inspirierte Liebe ist nicht mehr als eine flüchtige Laune“ (Koiniyoru hanamo omoino hitokumori.).

Highlight 2

In der Edo-Zeit (17. bis 19. Jahrhundert) bestanden je nach gesellschaftlichem Stand erhebliche Unterschiede im Sprachgebrauch. Sakurahime war zwar die Tochter eines Feudalherren, in der späteren Szene „Gonsuke sumika“ (Gonsukes Haus) ist sie aber eine Prostituierte, die den Namen Furin Ohime angenommen hat und im nachlässigen Stil ihres niedrigen Standes spricht. Allerdings fließen bei ihr auch Ausdrücke ein, die umgekehrt für den Hofadel typisch sind, was ihre Herkunft anklingen lässt. Solche irregulären und abschweifenden Texte sind eine originelle Technik des Bühnenautors Namboku, der für seine Gewandtheit bekannt war.