EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Kanadehon Chushingura (Der Schatz der 47 treuen Gefolgsleute)

Jidai-mono

Zusammenfassung

“Shintomiza Chushingura Shodamme”
National Theatre collection (NA070930)

„Kanadehon Chushingura“ ist eines der wichtigsten Stücke im Kabuki-Repertoire. Es handelt sich um das gidayu-kyogen eines jidai-mono (historisches Stück), das von der Rache der Ako-roshi (herrenlose Samurai des ehemaligen Ako-Clans) in der Genroku-Zeit (1688 – 1704) erzählt.

Der Schauplatz wurde auf den Ort der historischen Chronik „Taiheiki“ verlegt, die von Unruhen in der Nambokucho-Ära (1336 – 1392) berichtet, und die Figuren erhielten Namen, die auf Personen aus dem „Taiheiki“ basieren. Der wirkliche Kira Kozukenosuke wird zu Kono Morono, Asano Takuminokami wird zu Enya Hangan und Oishi Kuranosuke erscheint als Oboshi Yuranosuke auf der Bühne.

Die Geschichte umfasst 11 Akte, beginnend damit, dass Kono Morono der Frau von Enya Hangan, Kaoyo Gozen, unangebrachte Avancen macht, und endend damit, dass den 47 Samurai, einschließlich Oboshi Yuranosuke, nach harter Arbeit und großen Mühen ihr Überfall auf den Herrensitz von Morono gelingt.

Das Stück gilt zusammen mit „Sugawara Denju Tenarai Kagami“ (Sugawara und das Geheimnis der Kalligraphie) und „Yoshitsune Senbon Zakura“ (Yoshitsune und die Tausend Kirschbäume) als eines der drei großen Meisterwerke des gidayu-kyogen und wird häufig von den großen Darstellern der jeweiligen Zeit aufgeführt.

“Shintomiza Chushingura Shodamme”
National Theatre collection (NA070930)

Highlight

Der Eingangsteil des ersten Akts von jidai-mono wird als Daijo (Prolog) bezeichnet. Die einzige Daijo-Inszenierung, die auch heute noch gepflegt wird, ist die von „Kanadehon Chushingura“.

Bevor sich der Vorhang öffnet, erscheint eine kojo-ningyo (Ansagenpuppe) auf der Bühne und stellt in einzigartiger Sprechweise die Besetzung des Stückes vor. Dann wird wiederholt das Wort tozai gerufen (Aufforderung an alle, Ost und West, still zu sein) und unter lauten Schlägen der ki (Schlaghölzer) öffnet sich langsam der joshiki-maku (normaler Bühnenvorhang) und gibt den Blick auf die wie Puppen mit nach unten gerichtetem Gesicht wartenden Darsteller des Stücks frei. Sie blicken der Reihe nach auf, wenn dann der takemoto-Erzähler den Namen der jeweiligen Figur ausruft.

Zur feierlichen, zeremonienhaften Inszenierung solcher daijo-Szenen als eindrucksvolle Prologe zu langen und komplexen Stücken ist eine Reihe von Techniken überliefert.