EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Heike Nyogonoshima(Der Priester im Exil)

Jidai-mono / Übliche Bezeichnung: Shunkan

Zusammenfassung

Dieses vom Bühnenautor Chikamatsu Monzaemon verfasste Stück basiert teilweise auf dem „Heike-Epos“. Die heute noch aufgeführte Szene porträtiert die Figur Shunkan und andere Angehörige einer Gruppe, die wegen einer geplanten Rebellion gegen Taira no Kiyomori, das Oberhaupt des Heike-Klans, nach Kikaigashima (Kikai-insel) verbannt worden sind. Es ist vor allem unter dem Titel „Shunkan“ bekannt.

In der Handlung kommt auf der Insel ein Schiff aus der Hauptstadt an, das drei der Exilanten zurückholen soll, die begnadigt wurden. Diese drei sind Shunkan, Tanba no Shosho Naritsune und Heihangan Yasuyori. Shunkan verzweifelt, als er erfährt, dass seine Frau, die er zurücklassen musste, umgebracht worden ist. Verbittert und in Rage, tötet er Senoono Taro, den Gesandten aus Kioto, und bietet Chidori, einer Taucherin, die jetzt die Frau von Naritsune ist, seinen Platz auf dem Schiff an. Allein auf der Insel zurückgelassen, schaut der dem davonsegelnden Schiff nach, bis es nicht mehr zu sehen ist.

Highlight

October 1995
National Theatre, Large Theatre
“Heike Nyogonoshima” ‘Kikaigashima’ scene
Shunkan: Nakamura Kichiemon II

Hier kommen zwei Methoden zum Einsatz, die helfen, dem Publikum Shunkans Jammer darüber, allein auf der Insel zurückzubleiben, wirkungsvoll zu vermitteln: die Drehbühne und ein großes Tuch, das mit einer Wellenszene bemalt ist.

Die Drehbühne setzt sich in Bewegung, wenn Shunkan beginnt, auf einen Felsenberg zu steigen, um das Schiff abfahren zu sehen. Das mit Wellen bemalte Tuch bedeckt den für das Publikum sichtbaren Teil der Bühne und nur die Klippe, an der Shunkan steht, bleibt sichtbar. Diese beiden Techniken betonen die von Shunkan gefühlte tiefe Einsamkeit und Trauer.

Als Shunkan einen Kiefernast ergreift, um das Schiff in der Ferne besser sehen zu können, bricht dieser ab und er setzt sich. Wenn der Akt endet, bleibt ein dauerhafter Eindruck vom tiefen Schmerz zurück, den Shunkan im Herzen spürt.