EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Imoseyama Onna Teikin(Mann und Frau Berge: Ein beispielhaftes Märchen über weibliche Tugend)

Jidai-mono

Zusammenfassung

“Imoseyama Onna Teikin” ‘Yoshinogawa’ scene
National Theatre collection (NA050440)

„Imoseyama Onna Teikin“ ist das gidayu-kyogen zu einem jidai-mono [Ocho-mono/Odai-mono: Höfische Geschichten/Geschichten aus der Kaiserzeit], das die Aktivitäten von Fujiwara no Kamatari, dessen Sohn Tankai und ihrer Gefolgschaft nachzeichnet. Sie versuchen, den Aufständischen Soga no Iruka zu stürzen, der geschworen hat, den kaiserlichen Thron zu besteigen.

Die Szenen, die heute vorwiegend aus diesem Stück aufgeführt werden, sind „Yoshinogawa“ (Yoshinogawa-Fluss), die tragische Geschichte von Koganosuke und Hinadori, die einander lieben, der Tyrannei Irukas wegen aber ums Leben kommen, „Michiyuki Koi no Odamaki“ (Michiyuki-Reiseszene : Die Spulen der Liebe), eine Tanzdarbietung von einer Dreiecksbeziehung, in der sich eine Prinzessin namens Tachibana-hime und Omiwa, die Tochter eines Sakeladen-Besitzers, in denselben Mann, Motome, verlieben, sowie „Mikasayama Goten“ (Mikasayama-Palast), in der Omiwa geopfert wird, um Iruka zu stürzen.

“Imoseyama Onna Teikin” ‘Yoshinogawa’ scene
National Theatre collection (NA050440)

HighlightZwei Seiten des Flusses: Ein Inszenierungseffekt in der „Yoshinogawa“-Szene

Der Hauptautor (tatesakusha) dieses Stücks war Chikamatsu Hanji (1725 – 1783), der in der mittleren Edo-Zeit das zugrunde liegende Nigyo-joruri schrieb. Hanji war ein hervorragender Verfasser von jidai-mono mit abwechslungsreichen und voluminösen Geschichten und ließ zahlreiche hervorragende Werke zurück. Eine Reihe für ihn typischer Werke wurde als gidayu-kyogen für Kabuki adaptiert und wird noch heute regelmäßig aufgeführt.

Eine ausgeprägte Gemeinsamkeit, die sich durch Hanjis Werke zieht, sind ausgeprägte Kontraste in Bezug auf Status und Persönlichkeit der Figuren und bei der Szenografie. Besonders deutlich zeigen sich diese typischen Aspekte in der „Yoshinogawa“-Szene, in der die Herrensitze der Familien Dazai und Daihanji, die sich über territoriale Ansprüche streiten, auf den gegenüberliegenden Seiten des durch die Bühnenmitte verlaufenden Yoshino-Flusses gelegen sind.

Ein weiterer Aufführungsseffekt betrifft die speziell zur Darstellung der gegenüberliegenden Flussufer installierten hanamichi-Bühnen (Laufstege). Vom hanamichi der shimote-Seite (rechte Bühne) erscheint Sadaka, die Mutter von Hinadori, und vom hanamichi der kamite-Seite (linke Bühne) her Daihanji Kiyozumi, der Vater von Koganosuke. Superb inszeniert schütten diese beiden Figuren vom jeweiligen Steg her monologisierend ihr Herz aus.