EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Bancho Sarayashiki (Der zerbrochene Teller)

Shin-Kabuki

Zusammenfassung

„Bancho Sarayashiki“ ist ein Meisterwerk des Genres Shin-Kabuki (Neues Kabuki). Autor des Stücks ist Kido Okamoto, die Erstaufführung auf der Bühne erfolgte 1916.

In der Geschichte liegt Aoyama Harima, ein direkter Untergebener des Schoguns, in ständigem Streit mit den Bürgerlichen seines Bezirks. Auch verliebt er sich in Okiku, eine im Herrenhaus dienende Magd. Allerdings zweifelt Okiku an seinen Gefühlen und zerbricht einen Teller aus dem Hausschatz der Familie, um ihn auf die Probe zu stellen. Als Harima dies erfährt, gerät er außer sich darüber, dass sie seine Liebe in Frage stellen konnte. In einem Wutanfall erschlägt er sie und wirft ihren Körper in den Brunnen.

Zuvor gab es bereits im traditionellen Kabuki ein als „Banshu Sarayashiki“ betiteltes älteres Stück, geschrieben im Stil einer Geistergeschichte, das einer ähnlichen Handlungslinie folgte. In der Schlüsselszene fesselt Aoyama Tessan eine Magd – die ebenfalls Okiku heißt – und hängt sie über einen Brunnen. Dann bringt er sie um und lässt sie in den Brunnen fallen. Kido verwendete in seinem „Bancho Sarayashiki“ über weite Teile die gleiche Handlung, bereicherte sie aber um ein spezielles Liebesthema, um das Stück dem Geist der modernen Zeiten anzupassen.

Highlight

July 1994
National Theatre, Large Theatre
“Bancho Sarayashiki” ‘Bancho Aoyamake’ scene
Aoyama Harima: Nakamura Baigyoku IV
Okiku: Nakamura Matsue V (Nakamura Kaishun II)

Als Shin-Kabuki gelten Stücke, die in der zweiten Hälfte der Meiji-Zeit (1868 – 1912) verfasst wurden und nicht von Autoren stammen, die auf Kabuki spezialisiert waren, sondern von Bühnen- und anderen Autoren von außerhalb der Kabuki-Welt. Okamoto Kido ist einer der führenden Autoren dieser Neues Kabuki-Kategorie. Er war bekannt für Rollentexte, die von moderner Romantik und poetischem Gefühlsreichtum geprägt sind. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Abschnitt „Issho ni ichido no koi“ (Nur eine Liebe im ganzen Leben) des langen Monologs von Aoyama Harima.