w

EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Narukami(Der heilige Narukami und die Dame Taema)

Jidai-mono

Zusammenfassung

January 1996
National Theatre, Large Theatre
“Narukami Fudo Kitayamazakura” ‘Kitayama Iwaya’ scene [Narukami]
Narukami Shonin: Ichikawa Danjuro XII
Kumonotaemahime: Nakamura Tokizo V

„Narukami“ wird zu den Werken des „Kabuki-juhachiban“ (Achtzehn Kabuki-Stücke) der Ichikawa-Danjuro-Familie gezählt. In dieser Geschichte hegt ein Priester namens Narukami Shonin feindselige Gefühle gegenüber dem kaiserlichen Hof. Er hält den Drachengott am Boden eines Wasserfalls fest, was eine Dürre zur Folge hat. Als Antwort darauf befiehlt der kaiserliche Hof der schönen Prinzessin Kumonotaema-hime, Shonin zu verführen und den Drachengott freizusetzen. Die Prinzessin macht Shonin betrunken und befreit den Gott. Als Shonin aufwacht, merkt er, dass er hintergangen wurde. In seiner Wut nimmt er die Verfolgung von Prinzessin Kumonotaema-hime auf.


Dieses Stück war ursprünglich zusammen mit den ebenfalls zum Kabuki-juhachiban zählenden Stücken „Kenuki“ und „Fudo“ Bestandteil eines längeren Werks mit dem Titel „Narukami Fudo Kitayama-Zakura“.

Zu den Höhepunkten der ersten Hälfte zählen die mit lebhaften Gesten von Kumonotaema-hime dargebotenen Passagen, in denen sie ihre Liebesaffäre beichtet, und eine Szene, in der Shonin zunehmend verkommt, während er die Prinzessin pflegt. Die Szene mit dem Eingangsdialog zwischen der sinnlichen Prinzessin und dem prüden Shonin steht in einem starken Kontrast zum aragoto (übertreibender Stil), von dem die zweite Hälfte des Stücks geprägt ist.

Highlight

January 1996
National Theatre, Large Theatre
“Narukami Fudo Kitayamazakura” ‘Kitayama Iwaya’ scene [Narukami]
Narukami Shonin: Ichikawa Danjuro XII

Shonins Wut über die erlittene Täuschung wird im schon erwähnten aragoto-Stil ausgedrückt. Der Darsteller von Shonin wählt eine Perücke mit gesträubten Haaren und legt ein kumadori-Makeup auf. Seine Kleidung wandelt sich auf der Bühne spontan in ein Kostüm mit Flammenmuster auf weißem Grund. Weitere publikumswirksame aragoto-Züge sind eine mie-Pose, bei der Shonin beide Arme und ein Bein um eine Säule in der Höhle legt, der mit dem zerschnittenen geweihten Strohseil in der Hand wie der Feuergott auf einem Felsen sitzende Priester, Shonins Kampf mit den Mönchsjüngern und die grimmige Verfolgung der Prinzessin mit wütenden Sprüngen kurz vor Ende des Akts.