EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Bühne

Wandel des Theaters

Frühe Edo-Zeit (17. Jahrhundert)

In den frühen Tagen der Entwicklung des Kabuki war die Bühnenstruktur noch stark von der Noh-Bühne beeinflusst, wie sie für die schon seit über drei Jahrhunderten gepflegten traditionellen Aufführungskünste Noh und Kyogen benutzt wurde. Die in das Publikum hinausragende Hauptbühne (überdacht und beplankt), der sich zur shimote-Seite erstreckende hashigakari (brückenartiger Zugang zur Bühne) und andere Bestandteile spiegelten im Wesentlichen die von der Noh-Bühne bekannten Strukturen wider.
Der Publikumsbereich unterteilte sich in weitläufige, tief liegende nicht reservierte Plätze mit Erdfußboden vor der Bühne und eine erste Etage mit reservierten Logenplatz-Sektionen zu beiden Seiten der Bühne. Entsprechend bestand eine beträchtliches Statusgefälle zu den Besuchern dieser beiden Sektionen. Da nur die Logenplätze überdacht waren, konnte Kabuki nur stattfinden, wenn es nicht regnete.

Späte Edo-Zeit bis frühe Meiji-Zeit (18. bis 19. Jahrhundert)

Kabuki-Bühne mit hanamichi gegen Ende der Edo-Zeit (Mitte 19. Jahrhundert)

“Odori Keiyo Edoe no Sakae”
National Theatre collection (NA081560)

Mit der Wandlung von Kabuki zu einer ausgereiften Kunst bildete auch die Bühne weitere unverwechselbare Strukturen aus. Es wurden ganze Theater überdacht, um auch bei Regen aufführen zu können. Unter den Publikumssitzen wurde ein Fußboden verlegt und man teilte mit sich kreuzenden Holzbrettern Sitzplatzboxen ab.
Weiterhin führte man hanamichi-Stege ein, die sich von der Bühne über das Publikum hinaus erstreckten, und ersann seri-Hebebühnen und mawaributai-Drehbühnen. Solche Vorrichtungen ermöglichten Aufführungen mit effektiverer Nutzung des Raums von der Bühne bis in die Tiefe des Sitzbereichs und schnelle Übergänge von einer Szene zur nächsten.s

Kabuki-Bühne mit hanamichi gegen Ende der Edo-Zeit (Mitte 19. Jahrhundert)

“Odori Keiyo Edoe no Sakae”
National Theatre collection (NA081560)

Mittlere Meiji-Zeit (Ende 19. Jahrhundert)

Zuschauerraum im Kabuki-za, beleuchtet mit elektrischen Lampen und Kronleuchter

“Kabuki Juhachiban no uchi Kanjincho Kogyo”
National Theatre collection (NA081640)

Für Kabuki – eine darstellende Kunst unter dem Einfluss von Modernisierung und Westernisierung – ergaben sich die markantesten Veränderungen bei der Bühnenbeleuchtung. Auch wurde die Bühne nun im Vergleich zu Bühnen im Ausland als eher beengt angesehen.
In der Edo-Zeit verließen sich die Schauspielhäuser bei der Beleuchtung ihrer Aufführungen noch auf natürliches Sonnenlicht und Kerzen. Das Shintomi-za, das erste in Japan eröffnete moderne Theater, führte die Gaslampenbeleuchtung ein. Während die Bühne im Nakamura-za gegen Ende der Edo-Zeit circa 12 Meter breit war, besaß das Kabuki-za schon eine 22 Meter breite Bühne und war mit elektrischen Lampen und einem unter der Decke aufgehängten Kronleuchter über dem Sitzbereich des Publikums ausgestattet. Dadurch war die Beleuchtung weit heller als je zuvor und es wurde möglich, Kabuki-Stücke nicht nur bei Tageslicht, sondern auch bei Dunkelheit aufzuführen. Diese Veränderung bei den Beleuchtungseinrichtungen beeinflusste dann im Endeffekt alle dramatischen Techniken, einschließlich der Bühnenbilder, und sogar die schauspielerische Darstellung selbst.

Zuschauerraum im Kabuki-za, beleuchtet mit elektrischen Lampen und Kronleuchter

“Kabuki Juhachiban no uchi Kanjincho Kogyo”
National Theatre collection (NA081640)