EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Stücke

Theaterstück-Typen

Auch heute noch werden über 300 Kabuki-Stücke aufgeführt. Diese Werke können je nach Inhalt und Ursprung einer Reihe verschiedener Typen zugeordnet werden.

Klassifizierung nach Inhalt

Jidai-mono (historische Stücke)

Jidai-mono sind Stücke, die auf einem Stoff basieren, der weit entfernt war vom Leben der Stadtbewohner, die in der Edo-Zeit den Großteil des Kabuki-Publikums stellten. Sie beziehen sich auf Samurai oder die höfische Gesellschaft betreffende Ereignisse oder andere Geschehen lange vor der Edo-Zeit. Einige dieser Stücke griffen auch Vorkommen aus der Edo-Zeit und die darin verwickelte Personen auf, schrieben diese dann aber Ereignissen und Namen aus früheren Zeiten zu, um die Verbote und Tabus des Tokugawa-Schogunats bezüglich zeitgenössischer Ereignisse zu umgehen. Diese Stücke entsprachen also nicht getreu den historischen Fakten. Weiterhin machte man freizügig Gebrauch von historischen Themen und Legenden in der Literatur und es war bei den Bühnenautoren gängige Praxis, Geschichte kreativ umzuschreiben.

Sewa-mono (zeitgenössische häusliche Stücke)

Sewa-mono sind zeitgenössische Stücke. Im Unterschied zu jidai-mono griffen sie Inhalte auf, die den Stadtbewohnern der Edo-Zeit besser vertraut und auf diese zugeschnitten waren. Sewa-mono bildeten somit Repertoires, die auf Themen und Ereignisse eingingen, die die sozialen Verhältnisse und Gebräuche der einfachen Bürger widerspiegelten. Üblicherweise porträtierte man mit realistischen Inszenierungen und Darstellungen Konflikte um Liebe und Verpflichtungen im Alltagsleben der normalen Bürger. Insbesondere wurden wirklichkeitsgetreue Geschichten von einfachen Leuten aus den unteren sozialen Schichten als kizewa-mono bekannt. In der übergreifenden Kategorie der jidai-mono werden in gewissem Grad stilisierte Geschichten, die von Beziehungen zwischen einfachen Bürgern handeln, als jidai-sewa bezeichnet.

Shosagoto (Kabuki-Tanz)

Shosagoto sind Tänze oder Tanzdramen. Kabuki ist aus einer Tanzform hervorgegangen und in manchen Fällen sind die Stücke als reine Tanzaufführungen angelegt. In anderen Fällen werden die Tanzpartien von Stücken separat inszeniert und als unabhängige Programme aufgeführt. In den frühen Tagen wurden nur Tänze weiblicher Figuren dargeboten. Im späten 18. Jahrhundert begann man dann auch Tänze von männlichen Figuren aufzunehmen. Dies führte zu Programmen, in denen ein und derselbe Darsteller eine Reihe verschiedener Figuren tanzte. Solche Programme werden als henge-buyo (Verwandlungstänze) bezeichnet.

Kategorien nach Ursprung

Gidayu-Kyogen

Die Kabuki-Stücke dieser Kategorie wurden aus dem Ningyo-joruri (Japanisches Puppentheater) adaptiert. Sie sind auch als maruhon-mono bekannt. Charakteristisch für Geschichten dieses Stils ist, dass ihr der Verlauf von der takemoto (gidayu-bushi) genannten Erzählung bestimmt wird und sie einen großen Anteil an musikalischer und stilisierter Darbietung und Inszenierung enthalten.

Jun-Kabuki

Jun-Kabuki bezeichnet Werke, die nicht aus anderen darstellenden Künsten übernommen, sondern als reine Kabuki-Inszenierungen geschrieben wurden. Der Großteil der Werke, die in der Bunka- und Bunsei-Zeit (erste Hälfte des 19. Jahrhunderts) von Bühnenautoren wie Tsuruya Namboku IV und Kawatake Mokuami verfasst wurden, fällt in diese Kategorie.

Shin-Kabuki

Shin-Kabuki bezeichnet Stücke, die ab Mitte der Meiji-Zeit (frühes 20. Jahrhundert) von Bühnenautoren verfasst wurden, die zuvor keine direkte Verbindung mit Kabuki hatten. Es wurden stark literarisch geprägte und durch Theater und Romane westlich beeinflusste Werke mit modernen Schauspiel- und Inszenierungstechniken aufgeführt. Demgegenüber werden Kabuki-Stücke, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind, in einer von shin-Kabuki getrennten Kategorie shinsaku-Kabuki geführt.