EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Stücke

Berühmte Bühnenautoren

Chikamatsu Monzaemon (1653-1724)

“Naniwa Miyage”
National Theatre collection

Chikamatsu Monzaemon war ein populärer Bühnenautor, sowohl im Ningyo-joruri (Japanisches Puppentheater) als auch im Kabuki, der in der Genroku-Zeit sehr erfolgreich in der Region Kamigata (Kioto und Osaka) war. Dort begann man zu dieser Zeit auf die neue Kultur und Kunst der Stadtbürger aufmerksam zu werden. Chikamatsu trat nicht auch als Schauspieler auf und wurde zum ersten Vollzeit-Bühnenautor.
Für Kabuki schrieb Chikamatsu Stücke wie „Keisei Hotoke no Hara“ (Kurtisane und eine Familienfehde in der Provinz Echizen) für den Schauspieler Sakata Tojuro I. Chikamatsu unterstützte die Technik der im Kamigata-Kabuki gepflegten yatsushi-Aufführungen mit irgendwie verarmten Figuren von ehemals hohem Stand.
Im Ningyo-joruri war er durch „Sonezaki Shinju“ (Selbstmorde aus Liebe in Sonezaki) und andere Geschichten beliebt, die eine warmherzige Sympathie für die Stadtbürger der damaligen Zeit erkennen ließen. Ein weiteres beliebtes Chikamatsu-Werk war „Kokusenya Kassen“ (Die Schlachten von Coxinga), eine in China und Japan spielende Heldengeschichte, die auch als Kabuki-Stück adaptiert wurde. Auch später noch wurde ein großer Teil der Werke von Chikamatsu in bedeutende Kabuki-Stücke umgearbeitet. Er war somit einer der Vorreiter der Übernahme von Ningyo-joruri-Stücken in das Kabuki.

“Naniwa Miyage”
National Theatre collection

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Tsuruya Namboku IV (1755-1829)

“Ichimuraza Sangai no Zu”
National Theatre collection (NA0072126000)

Namboku war ein berühmter Bühnenautor im Edo der Bunka- und Bunsei-Zeit (frühe erste Hälfte des 19. Jahrhunderts). Die Kontrolle durch das Tokugawa-Schogunat hatte sich gelockert und es entstand eine stärker genussorientierte Gesellschaft. Namboku war wegen seiner geschickten Nutzung der sekai- und shuko-Schauspieltechniken und für seine ungewöhnlichen Ideen und den Einfallsreichtum seiner Stücke beliebt.
Namboku war von seinen Anfängen an für mutige und humorvolle Inszenierungen bekannt. „Tenjiku Tokubei Ikokubanashi“ (Die seltsame Geschichte von Tenjiku Tokubei) war ein durchschlagender Erfolg, was in erster Linie einem blitzartigen Kostümwechsel in einem Becken mit richtigem Wasser sowie dem Einsatz von Monstern wie in einer Freakshow und weiteren Spezialeffekten zuzuschreiben war. Er verfasste dann weitere kaidan-mono (Gespenstergeschichten) mit aufregenden keren (eindrucksvolle Schauspiel- und Inszenierungstechniken, die auf den visuellen Eindruck abstellen). Namboku war auch ein Pionier des kizewa-mono benannten Stils – Geschichten über einfache Leute von niedrigem Rang. Ein sehr treffendes Beispiel für diesen Stil ist „Tokaido Yotsuya Kaidan“.
Seine Fähigkeiten erstreckten sich auch auf die naimaze-Methode zum Kombinieren verschiedener sekai. Diesen Ansatz nutzte er besonders erfolgreich in Stücken wie „Sakurahime Azuma Bunsho“ (Die Edo-Geschichte von der Prinzessin Sakura) und „Ukiyo-zuka Hiyoku no Inazuma“ (Die Probleme des Sasaki-Klans und Kollision von Liebe und Stolz im Vergnügungsviertel: Fuwa Banzaemon gegen Nagoya Sanza und Shirai Gonpachi).

“Ichimuraza Sangai no Zu”
National Theatre collection (NA0072126000)

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Kawatake Mokuami (1816-1893)

“Haiyu Gakuya no Sugatami”
National Theatre collection (NA071280)

Mokuami war von der Edo- bis in die Meiji-Zeit (Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts) – eine Zeit großer sozialer Veränderungen – ein erfolgreicher Bühnenautor in Edo (Tokio). Er wirkte über fünf Jahrzehnte und erstellte eine breite Vielfalt an Werken, von solchen, die eine breite Spanne an Kabuki-Techniken umfassten, bis hin zu Stücken, die Japans Annäherung an die westliche Kultur oder klassische Themen aufgriffen, und passte sie dem Trend der Zeit und den Wünschen der Darsteller an.
Die Figuren in Mokuamis Stücken sprachen mit wohlklingender Stimme, die Begleitmusik war emotionsgeladen und die Bühnen waren malerisch prachtvoll. Das Leben der Bürger wurde realistisch beschrieben, erhielt gleichzeitig aber auch ein stilvolles, elegantes Flair. Von Mokuami verfasste Stücke wie „Sannin Kichisa Kuruwa no Hatsugai“ (Die Diebe mit dem Namen Kichisa) und „Aoto Zoshi Hana no Nishikie“ (Die fünf Diebe) wurden populär, in denen Diebe (als shiranami-mono bekannt) als Hauptfiguren fungierten. Allerdings waren seine Figuren in fast allen Fällen ursprünglich gewöhnliche Leute, die zu Spitzbuben und Gesetzlosen wurden und ihr Verhalten dann am Ende bedauerten.
In der Meiji-Zeit gab es eine Bewegung, die Kabuki auf ein modernes künstlerisches Niveau heben wollte. In der Folge wurden historische Dramen, die den geschichtlichen Fakten möglichst getreu entsprachen, und auf Themen aus dem Noh-Theater basierende Tanzdramen verfasst. Ein Teil des Publikums vermisste allerdings die verloren gegangene Stimmung der Edo-Zeit, wie zum Beispiel jahreszeitlich geprägte Szenen und Speisen und die mage genannten Frisuren mit gebündelt auf dem Kopf gefaltetem Haar. Für diese Fans schrieb Mokuami weiter Geschichten wie „Tsuyu Kosode Mukashi Hachijo“ (Shinza, der Barbier) und „Kumoni Magou Ueno no Hatsuhana“ (Kochiyama und Naozamurai) über das Leben der einfachen Leute in der Edo-Zeit.

“Haiyu Gakuya no Sugatami”
National Theatre collection (NA071280)

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