EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Koibikyaku Yamato Orai(Koi no tayori yamato orai)(The Money Courier from Hell)

Sewa-mono

Zusammenfassung

Dieses Stück ist ein sewa-mono (zeitgenössisches häusliches Stück), das auf einem aus Ningyo-joruri (Puppenspiel) abgeleiteten gidayu-kyogen basiert.
In der Handlung geht es um einen Doppelsuizid aus Liebe, begangen von Chubei – dem jungen Herrn einer Familie, die einen Lieferdienst in Osaka betreibt – mit der Kurtisane Umegawa.
Heute werden vorzugsweise zwei Szenen aus dem Stück aufgeführt, die üblicherweise als „Fuinkiri“ und „Ninokuchimura“ bezeichnet werden. Chubei, ein Stammkunde von Umegawa, unterschlägt auf eine Provokation von seinem Freund Hachiemon hin Geld, das der Zustellungsfirma seiner Familie anvertraut war. Er verwendet es dann dazu, Umegawa aus ihrem Dienstvertrag mit dem Teehaus freizukaufen. In „Ninokuchimura” besucht Chubei – nun wegen des gestohlenen Geldes als Krimineller gesucht – mit Umegawa sein Elternhaus in Yamato (dem heutigen Nara) und begegnet ein letztes Mal seinem Vater.
Der Höhepunkt der „Fuinkiri“-Szene ist, wenn Chubei das Siegel eines Päckchens Goldmünzen bricht. Vor einer großen Menschengruppe im Teehaus erklärt Hachiemon, dass die Münzen falsch sind. Ob dieser Anschuldigung verliert Chubei die Beherrschung und bricht versehentlich das Siegel des Münzpäckchens. Die takemoto-Musiker spielen dann mit schnellem Tempo die Shamisen, wobei die Musik wirkungsvoll Chubeis tiefes Bedauern zum Ausdruck bringt.

Highlight

Dieses Stück wurde primär im Raum Kioto und Osaka aufgeführt. Die Rolle von Chubei ist typisch für den wagoto-Stil – eine sanftere, wirklichkeitsnähere Art der Darstellung, die im Raum Kioto und Osaka entwickelt wurde. Derweil Chubei ein gutaussehender junger Mann ist, birgt diese Rolle auch beträchtlichen Humor. In einer typischen Szene erscheint Chubei auf dem hanamichi-Laufsteg und erklärt komischerweise: „Kajiwara Genda hat genauso ausgesehen wie ich!“. Dies ist eine Anspielung auf Kajiwara Genda, einen Militärkommandeur aus der Kamakura-Zeit (12. bis 14. Jahrhundert), der für sein gutes Aussehen berühmt war.