EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Kyoganoko Musume Dojoji (Das Mädchen vom Dojoji-Tempel)

Übliche Bezeichnung: Musume dojoji

Zusammenfassung

„Kyoganoko Musume Dojoji“ ist ein Meisterwerk in der Tradition einer als onnagata (Frauenrollen) buyo bezeichneten Form des Kabuki-Tanzes. Es handelt sich um einen fast eine volle Stunde dauernden Solo-Auftritt einer onnagata. Der Titel wird üblicherweise zu „Musume Dojoji“ oder einfach „Dojoji“ verkürzt.
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft einer shirabyoshi-Tänzerin (Tänzerin, die ein Männerkostüm trägt) namens Hanako. Sie besucht den Tempel, um dort auf der Einweihungsfeier für eine neue Glocke zu tanzen. Sie führt eine Reihe von Tänzen auf und springt dann plötzlich in die Glocke, woraufhin sie als Schlange wieder erscheint. Da sie tänzerisch eine Reihe verschiedener Vorstellungen von hoffnungslos verliebten Frauen darstellt, untergliedert sich diese Routine in mehrere Teile.
Das Kabuki-Theater kennt zahlreiche dojoji-mono (Dojoji-Tempel-Stücke), die sich ursprünglich vom Noh-Drama „Dojoji“ ableiten. Alle handeln von Frauen, die den Tempel zum Tanzen auf der Einweihung einer Glocke aufsuchen und dann in die Glocke springen. Dojoji-mono-Stücke stammen aus der Genroku-Periode (1688 - 1704), wobei „Kyoganoko Musume Dojoji“ als die bedeutendste Sammlung der vielen Varianten angesehen wird. Es wurde zum ersten Mal 1753 vom Kabuki-Schauspieler Nakamura Tomijuro I aufgeführt.

Highlight 1

March 1990
National Theatre, Large Theatre
“Kyoganoko Musume Dojoji”
Hanako: Nakamura Shikan VII

Kudoki ist ein Teil, in dem eine Frau ihr Pathos und ihren Schmerz in Takemoto und Nagauta-Musik offenbart. Beim Kabuki-Tanz ist diese Tradition eines der Glanzlichter der musikalischen Aufführungen. Solche Kudoki-Routinen werden besonders für ihre gelösten graziösen Bewegungen gefeiert. In diesem Stück beginnt die kudoki-Sequenz mit dem Text „Endlich beginne ich so über Liebe zu lernen wie ich zu schreiben gelernt habe“ (Koi no tenarai tsui minaraite...).
Der Videoclip hier zeigt eine Tanzszene, die das weibliche Herz vor einer Begegnung mit dem Geliebten ausdrückt. Ein tenugui-Handtuch dient als Spiegel, wenn Hanako mit den begleitenden Worten „Für wen bemale ich denn meine Lippen und Zähne?“ feuchtes Rouge auf ihre Lippen aufträgt.

Highlight 2

March 1990
National Theatre, Large Theatre
“Kyoganoko Musume Dojoji”
Hanako: Nakamura Shikan VII

In diesem Stück wechselt Hanako mehrere Male das Kostüm. Für diese Wandlungen wird auch hikinuki genutzt, eine Methode für einen schnellen Kleiderwechsel. Hier werden zwei Kostüme von Schnüren gehalten übereinander getragen. Die Koken (Bühnenassistenten) ziehen dann unmittelbar vor dem Wechsel an den Schnüren, um perfekt auf die Bewegungen des Darstellers abgestimmt die obere Lage abzuziehen. Hikinuki und andere schnelle Kostümwechsel sind ein wirksames Mittel, die Aufmerksamkeit des Publikums neu anzufachen.