EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

StückeTypische Stücke

Kawasho(Die Kawasho-Teehaus-Szene)

Sewa-mono

Zusammenfassung

„Kawasho“ ist ein sewa-mono (bürgerliches zeitgenössisches Stück) über den geplanten gemeinsamen Selbstmord aus Liebe des Kaufmanns Kamiya Jihei mit der Kurtisane Koharu. Das Originalwerk, „Shinju Ten no Amijima (Selbstmord aus Liebe in Ten no Amijima)“, stammt vom Bühnenautor Chikamatsu Monzaemon. Die jetzige Inszenierung basiert auf einer überarbeiteten Version.
Jihei, der geschworen hat, mit Koharu zu sterben, besucht dasTeehaus Kawasho. Dort unterhält Koharu einen Gast, der ein Samurai zu sein scheint. Dieser Gast ist allerdings in Wirklichkeit Jiheis älterer Bruder Magoemon, der gekommen ist, um Jihei zu überreden, sich von Koharu zu trennen. Jihei beschließt, dem Rat seines Bruders zu folgen und verlässt Koharu. Unterdessen entdeckt Magoemon in einer Tasche von Koharus Kimono einen Brief von Osan, Jiheis Frau, und vermutet, dass Koharu aus Schuldgefühlen gegenüber Osan entschieden hat, sich von Jihei zurückzuziehen.
Die Rolle des Jihei ist als typisches wagoto (weicherer, der Realität näherer Stil) angelegt. Diese Figur wurde besonders überzeugend von Nakamura Ganjiro I (1860 - 1935) verkörpert, dem Schauspieler der ersten Generation, der vorwiegend im Raum Osaka auftrat.

Highlight

November 1997
National Theatre, Large Theatre
“Kawasho”
Kamiya Jihei: Nakamura Ganjiro III (Sakata Tojuro IV)

Jihei hat Koharu versprochen, mit ihr Selbstmord zu begehen und ist entschlossen, an diesem Tage mir ihr zu sterben. Er erscheint auf der hanamichi-Bühne und wird vom takemoto-Erzähler als „kraftlos und abwesend vor sich hin dümpelnd“ beschrieben. Jihei legt in seinem Kimono beide Hände auf das Herz und bewegt sich mit wackligen Schritten und halb geöffneten Augen, was seinen mutlosen Zustand ausdrückt. Seine weichen, fließenden Bewegungen lassen den besonderen Reiz des wagoto spüren, was dazu beiträgt, dass diese Szene als die wohl berühmteste im ganzen „Kawasho“ gilt.