EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Geschichte

Anfang

Kabuki-Odori

Als die langwierigen inneren Kämpfe im Land allmählich zu einem Ende gelangten (spätes 16. Jahrhundert), kamen im japanischen Volk verschiedene neuartige darstellende Künste auf. Eine von diesen, ein Kreistanz von Personen in verschiedenen Kostümen namens furyu-odori, erfreute sich recht großer Beliebtheit.

Um den Beginn der Edo-Zeit (Anfang des 17. Jahrhunderts) zeigte eine Frau namens Okuni kabuki-odori. Sie bezeichnete sich als Schreinjungfer vom Izumo-Taisha-Schrein in Shimane. Ihre Darbietungen in der kaiserlichen Hauptstadt Kyoto waren äußerst gefragt. Das von ihr aufgeführte kabuki-odori war gerade in Mode gekommen; es nutzte die merkwürdige Kleidung und die eigentümlichen Bewegungen der kabukimono. Mit Liedern und Tanz wurden Geschichten aufgeführt, in denen weibliche Schauspielerinnen als Männer verkleidet Teehäuser besuchten und mit den dortigen Frauen herumalberten. Die Leute waren verrückt nach diesen Aufführungen, und nicht nur das einfache Volk, sondern auch Samurai-Krieger und Adlige waren im Publikum zu finden.

Vom onna-kabuki zum wakashu-kabuki

Mit steigender Beliebtheit des kabuki-odori bildeten sich immer mehr weibliche Tanzgruppen, die diesen originellen Tanzstil nachahmten. In diesem onna-kabuki (Kabuki mit Frauen) kam auch ein neues Instrument namens shamisen (dreisaitige japanische Laute) zum Einsatz, das sich rasch nicht nur in Kyoto, sondern auch in Edo (dem heutigen Tokyo), Osaka und anderen japanischen Regionen ausbreitete.

Onna-kabuki wurde so beliebt, dass unter den Gönnern der Tänzerinnen mitunter regelrechte Kämpfe ausbrachen. Daher regulierte das Shogunat die Aufführungen strenger und verbot das onna-kabuki schließlich ganz, da es der öffentlichen Moral schade.

Damit begann der Aufstieg des in dieser Zeit ebenfalls hier und da aufgeführten wakashu-kabuki (Kabuki mit jungen Männern). Es zeichnete sich durch akrobatische Kunststücke und clownartige Rollen aus, die im onna-kabuki nicht zu finden waren; trotzdem drehte es sich letztlich vor allem um die Attraktivität der jungen Darsteller, weshalb die Behörden auch das wakashu-kabuki nach einiger Zeit verboten.

Die Entwicklung des Yaro-kabuki

Nach dem offiziellen Verbot des wakashu-kabuki bemühte man sich um neue Aufführungsstile für erwachsene Männer. Dies brachte das yaro-kabuki (Kabuki von Männern) hervor, die mit ihrer Haartracht (geschorenem Stirnhaar) ihre Volljährigkeit zeigten. Die Aufführungen entwickelten sich ebenfalls weiter, von bloßen Sing- und Tanzrevuen hin zu vielschichtigen dramatischen Geschichten, die den Schauspielern mehr als bisher abverlangten.

Die Rolle des onnagata (von Männern gespielte Frauenrollen), die sich bereits im wakashu-kabuki abgezeichnet hatte, setzte sich jetzt weiter durch. Mit den komplexeren Geschichten entstanden zudem verschiedene Arten von Hauptrollen, darunter sowohl jüngere und ältere onnagata als auch ehrwürdige oder verruchte Männerrollen sowie komische Rollen zum Auflockern der Atmosphäre. Auf diese Weise entwickelte sich Kabuki nach und nach in Theaterkunst voller Dramatik.