EINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans KabukiEINLADUNG ZUM KABUKI Leitfaden für das Verständnis der traditionellen darstellenden Künste Japans Kabuki

Figuren und Darsteller

Figuren und Kostüme

Vertrautheit mit den Figuren

Die in einem Kabuki-Stück auftretenden Personen werden nach Alter, Beruf und Rolle im Stück verschiedenen Kategorien zugeordnet, wobei auch die Schauspieltechnik, Kostüme, Perücken, Makeups und andere Aspekte kategorisiert sind. Diese als yakugara (Figuren) bekannte Gruppierungsmethode unterscheidet im Wesentlichen nach onnagata (Frauenrollen), tachiyaku (Rollen rechtschaffener Männer) und katakiyaku (Schurkenrollen). Zu den onnagata-Figuren junger Frauen zählen akahime (elegante Prinzessin) und machimusume (mutiges Stadtmädchen), onnagata-Figuren älterer Frauen sind katahazushi (getreue Magd eines Samurai-Haushalts) und sewa-nyobo (sich sorgsam um ihren Mann kümmernde Ehefrau).
Zu den tachiyaku-Figuren zählen die aragoto (wild und heldenhaft), die dazu im Kontrast stehenden wagoto (weicherer, der Realität näherer Stil) und die jitsugoto (besinnlicher Mann in der Blüte seiner Jahre). Katakiyaku-Schurken sind der jitsuaku (eine Rebellion planender Superschurke), der iroaku (gutaussehender Bösewicht) und der kugeaku (böser Adliger). Weitere yakugara sind der dokegata (Komödiant, der das Publikum zum Lachen bringt) und der wakashugata (hübscher Knabe).
Kleidung, Haartracht, Sprechweise und andere Aspekte der Menschen der Edo-Zeit sind je nach Faktoren wie gesellschaftlicher Stand, Beruf und Alter unterschiedlich. Dies erleichtert die Kategorisierung der yakugara anhand der Kostüme, Bewegungen und anderer Aufführungselemente.
Dank dieses Ansatzes ist das Publikum in der Regel in der Lage, die Grundzüge der auftretenden Figuren auszumachen, auch wenn es ein Kabuki-Stück zum ersten Mal sieht; es kann Kabuki in der Zuversicht genießen, mit den Figuren bereits vertraut zu sein

Kostüme

Jidai-mono (historische Stücke) beschreiben die alten Zeiten der Samurai und des Kaiserlichen Hofes, zu denen das Publikum der Edo-Zeit kaum einen Bezug hatte. In der Folge sind die von den Kriegern, Adeligen und anderen Figuren getragenen Kostüme stark übertrieben und stylisiert. Insbesondere bei eindeutigen Figuren wie den aragoto und kugeaku sind die Kostüme derart überzogen und stilisiert, dass sie auf einen Blick identifizierbar sind. Allerdings spiegeln die Kostüme von jidai-mono-Rollen in vielen Fällen nicht unbedingt die Kleidung der jeweils abgebildeten Ära wieder. Ein Beispiel dafür findet man in „Imoseyama Onna Teikin“ (Mann-und-Frau-Berge: Eine beispielhafte Geschichte über weibliche Tugend), das in einer Zeit spielt, die tausend Jahre vor der ersten Aufführung liegt. In diesem Stück tragen die meisten Figuren Kostüme, die auf der Edo-Zeit basieren. Dieser Ansatz, Kostüme aus der Zeit der Aufführung zu verwenden, sollte die Persönlichkeiten der im Stück auftretenden Personen leichter erkennbar machen.
Derweil vermitteln die Kostüme von Rollen in sewa-mono (zeitgenössische Stücke, die das Leben des Publikums der jeweiligen Zeit widerspiegeln) ein ziemlich wirklichkeitsnahes Bild von der Kleidung in der jeweiligen Zeit. Entsprechend werden die Figuren und Persönlichkeiten der Rollen weitgehend über Merkmale wie Farben, Muster und Dressing der Kleidung ausgedrückt.

Perücken

“Katsuratsuke Iwai Kumesaburo III” National Theatre collection (NA0075283001)

“Katsuratsuke Ichikawa Ichizo III” National Theatre collection (NA0075283003)

Die in Kabuki-Stücken getragenen Perücken umfassen zumeist vier Elemente: bin (Haare zu beiden Seiten des Gesichts), tabo (Haare auf der Rückseite des Kopfes), mage (zu einem Knoten geformte Haarpartien auf dem Kopf) und maegami (Stirnlocken). Die Figuren und Persönlichkeiten der Rollen von Kabuki-Stücken werden durch Variieren und Kombinieren dieser Perückenelemente ausgedrückt.
Aus wohl den gleichen Gründen wie bei den Kostümen haben sich Übertreibung und Stilisierung auch bei den Perücken bei jidai-mono-Rollen stärker ausgebildet.
Für tachiyuku werden rund 1.000 Varianten von Perücken verwendet, bei den onnagata sind es rund 400. Die größere Zahl der tachiyuku-Perücken erklärt sich durch eine komplexe Anlage der Figuren und Persönlichkeiten dieser Rollen.

“Katsuratsuke Iwai Kumesaburo III” National Theatre collection (NA0075283001)

“Katsuratsuke Ichikawa Ichizo III” National Theatre collection (NA0075283003)

Bühnenrequisiten

“Shibaraku” National Theatre collection

Bei Kabuki-Requisiten unterscheidet man zwischen zwei Kategorien: normale Gegenstände des Alltagsgebrauchs (honmono) und speziell für effektives Zeigen und Verwenden auf der Bühne angefertigte Objekte (koshiraemono). Koshiraemono verdeutlichen die Figuren und Persönlichkeiten der Rollen, von denen Sie benutzt werden, und sind auf der Bühne im Allgemeinen wirkungsvoller als honmono.

“Shibaraku” National Theatre collection